„Leben in ungerechten Strukturen“

Alltag, Kultur & Glaube, Theologie

In den letzten Monaten habe ich immer wieder über nachhaltigen Lebensstil nachgedacht und ich hoffe, dass es auch Stück für Stück zur Umsetzung kommt, wobei ich merke wie schwer mir das fällt. Denn je mehr ich nachdenke, mich informiere etc. je komplizierter scheint ein „gerechtes Leben“ zu sein. Einfach ist zumindest die Einteilung in zwei Ebenen unseres Lebens:
1. Individuell/persönlich: in meinen Beziehungen
2. Strukturell/kollektiv: in unserem System
Beides hängt unmittelbar miteinander zusammen und die gesellschaftlichen Strukturen sind als „Sache“ nicht per se sündig, aber sehr wohl die Menschen, die durch ihr „unmoralisches“ Handeln Strukturen aufbauen die diese Unmoral weiter fördern und sie somit ausbreiten lässt. Jeder Mensch und jedes Handeln ist eingeflochten in ein Kollektiv und somit Teil der Gesellschaft. Gesellschaftliches Unrecht ist deshalb in beiden Abhängigkeiten zu suchen, der persönlichen und der gesellschaftlichen. Jeder Einkauf bspw. durchzieht ein gesellschaftliches Geflecht an Erntehelfern, Zulieferern, Zwischenhändlern, Arbeitern und Verkäufern. Oft globalisiert und durch den Markt der großen Rendite und kleinen Preise getrieben, kaufen wir doch nur „billig“ ein und stehen mit unserer Tat am Ende einer Kette des gesellschaftlichen Unrechts, in dem andere das bezahlen was wir einsparen. Wir sind Gefangene in unserem selbsterschaffenen System. Noch geht es uns gut, weil wir auf Kosten von anderen Leben, aber die Krise der Wirtschaftssysteme steht uns erst noch bevor und ich hoffe und bete, dass wir nicht erst dann aufwachen, wenn es richtig weh tut und wir die Ungerechtigkeit selbst zu spüren bekommen. Momentan interessiert sie uns nur am Rande, weil sie uns nicht trifft. Aber Millionen von Menschen arbeiten für unter 1 Dollar am Tag, darunter viele Geschwister, auch, damit wir gut leben können. Nach Angeben von „Open Doors“ befinden sich ca. 200 000 Christinnen und Christen in Nordkorea in Straflagern und müssen unter erbärmlichsten Bedingungen dort arbeiten. Die Produkte kommen entweder unter dem Label „Made in Korea“ direkt oder über Südkorea in unsere Geschäfte. Darunter Computerzubehör, Stahl, Chemikalien, Maschinen und Textilien aller Art. Ein Grund mehr beim Einkaufen aufmerksam zu sein…

13 Comments

  1. Juble gerade über deinen Eintrag! 🙂 Gerade weil du Vielen ein Vorbild bist, und hoffe so sehr, auch selbst die Augen stets offen zu behalten, um nachhaltig zu handeln.. (nicht nur beim Einkauf)… Wir KÖNNEN die Welt verändern!! – Und wir müssen es tun! 🙂 LG aus Ffm!!

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  2. Hallo Toby,
    kannst du zu dem Thema gute Literatur empfehlen? Ich suche schon etwas länger nach guten Büchern, die die Thematik, vor allem für Christen, verständlich erklären.

    Gruß aus Karlsruhe
    David

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  3. @David: Auf die Schnelle: guter Aufsatz von Andreas Kusch in „Die Welt verändern“ und Thomas Weißenborn in seinem Buch „Christsein in der Konsumgesellschaft“, beide im Francke Verlag…

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  4. lieber toby ¨

    auch mir bist du ein vorbild :-)aber bevor du ganz heilig wirst, lies ein wenig biller, der gebraucht jude. bitterböse, elitär, zynisch … das beste buch für die vorweihnachtszeit

    herzlichst martin

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  5. @martin: ja, auf Biller freue ich mich sehr, steht auf meiner Weihnachtsliste, jetzt habe ich erst mal mit krausser angefangen: Einsamkeit und Sex und Mitleid! Großartiger Beginn!

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  6. ich freue mich, dass irgendwo in diesem land menschen leben, von denen ich ab und an lese, die ihr leben in ähnlicher richtung zu ändern beabsichtigen, wie wir uns das als familie vorgenommen haben.

    als wir vor etwa einem jahr damit begonnen haben, dachte ich noch, das ist doch ganz leicht und habe fair-trade-kaffee gekauft. mittlerweile ist jedoch beinahe jeder einkauf eine kleine odysee in die unsichtbare welt der un/gerechtigkeiten und umweltverschmutzung. das sind auch die beiden kategorien, nach denen ich jetzt einkaufe. mit gerechtigkeit meine ich das, was du in diesem post beschreibst. es findet seinen direkten niederschlag in fairtrade-produkten aus übersee, heimischem obst und gemüse plus milch, fleisch etc. zu ordentlichen preisen, klamotten von second-hand-
    anbietern usw. – die zweite kategorie finde ich aber noch schwieriger, da sie im prinzip alles, was man so in den einkaufswagen legt, betrifft: recycle-fähige verpackung, co2-bilanz, energiekreislauf – alles dinge, die es unter dem aspekt der ökologie zu beachten gilt. spielt das bei dir/euch auch eine rolle?

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  7. Ich finde die ganze „Geschichte“ echt schwierig und zwar je mehr ich mich informiere, desto schwieriger wird es. Wie du sagst, es betrifft fast alles in unserem LEben und das macht es manchmal fast „unerträglich“. Wir fangen jetzt an in kleinen Schritten, lese dazu gerade zwei interessante Bücher:
    Busse. Die Einkaufsrevolution: Konsumenten entdecken ihre Macht. Karl Blessing Verlag 2006.
    Hahn & Herrmann. Fair einkaufen – aber wie? Der Ratgeber für Fairen Handel für Mode, Geld, Reisen und Genuss. Brandes & Apsel 2009.

    Aber kennst du wahrscheinlich…

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  8. ich habe bisher ehrlich gesagt, noch kein einziges buch dazu gelesen, sondern vor allem nachgedacht. (aber auch so wird die to-do- und to-consider-liste länger.) danke in jedem fall für die tipps. finde die sache auch mühsam weil so allumfassend. was ich insgesamt aber fast am schwierigsten (und gleichzeitig sehr beschämend finde), ist meine eigene bequemlichkeit, die mich oft wider besseres (ge)wissen dazu verleitet, einfach nicht an gerechtigkeit oder ökologie zu denken…

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  9. kann ich gut verstehen, besonders das mit der Bequemlichkeit! 🙂
    Aber ich denke, dass ich einen Schritt nach dem anderen machen muss, sonst frustriert es mich zu sehr….

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