Wider den Wohlfühlfaktor oder ein Plädoyer zum Hinschauen und Hinhören. Zur 3. Auflage von: „Warum ich nicht mehr glaube“

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“Was ist tragfähiger Glaube, mündiges Christsein, gelingendes Leben, gesunde Theologie? Mit acht sorgfältig gewählten Bohrern behandeln drei Zahnärzte vier wurzelvereiterte Stellen im brüchigen frommen Gebiss: Bibelverständnis, Gottesbild, Theologie, Ethik. Fair gegenüber Zweiflern, heilsam für Gläubige, aufbauend für Gemeinden – ein schmerzhaft notwendiges Buch!”
Andreas Malessa, Hörfunk- und Fernsehjournalist, Theologe, Buchautor
‘Warum ich nicht mehr glaube’ scheint eine Thematik angesprochen zu haben, die bei vielen schon länger unter der Oberfläche schwelte, denn letztlich ist fast jeder einmal damit konfrontiert, der sich im Umfeld von christlichen Kirchen und Gemeinden bewegt.  Die Lektüre dieses Buches wirft wohl mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Doch gerade darin liegt aus unserer Sicht eine große Chance. Verdrängung ist keine Lösung und Fragen sollten gestellt, bedacht und besprochen werden, damit dann gemeinsam mit anderen Antworten gefunden werden können. Gerade die Fixierung auf eine vermeintlich einzige denkbare Antwort, die nicht zu hinterfragen ist, stellt ja häufig ein großes Problem dar.
Das Ziel unserer Studie und des Buches war vor allem eines: Wir wollten eine Debatte, einen Diskurs, einen Austausch über dieses oft verdrängte Thema anstoßen. Außerdem wollten wir denen, die nicht mehr glauben können oder wollen, eine Stimme verleihen, ihnen die Möglichkeit geben, ihre Geschichte zu erzählen. Es freut uns, dass viele an diesen Geschichten Anteil genommen haben. Wir haben gerade aus der Gruppe der „Entkehrten“ viele Rückmeldungen bekommen, dass sie sich wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen. Dies hat uns sehr ermutigt.
Schon bei der Durchführung der Studie merkten wir, dass wir mit dem Thema auf eine ungewöhnlich große Resonanz stießen. Dieser Eindruck wurde im letzten Jahr bei verschiedenen Lesungen in ganz Deutschland bestätigt, ganz unabhängig davon, ob wir auf einem großen christlichen Kongress waren, auf der Frankfurter Buchmesse oder in einer bestimmten Gemeinde: „Mir ist klargeworden, dass unsere Gemeinde an diesem Punkt ähnliche Strukturen aufweist wie beim Beispiel von Y.“ – „Endlich kann ich meine Cousine Z ein bisschen besser verstehen.“
Aber auch die Tragik, die viele Entkehrungen mit sich bringen, kam zutage. So haben sich viele Eltern bei uns gemeldet, deren Kinder nicht mehr glauben und die dies als sehr schmerzhaften Prozess erleben. Viele Fragen, die aus dem ganzen Themenkomplex „Familie und christliche Erziehung“ erwachsen sind, müssen in Zukunft noch tiefgreifender bearbeitet werden.
Mit einer Frage wurden wir im Laufe des letzten Jahres immer wieder konfrontiert: „Was können wir jetzt anders machen?“ Damit verbunden war oft der Wunsch, ein paar Maßnahmen vorgestellt zu bekommen, wie man verhindern kann, dass nahestehende Personen den Glauben verlieren. Es wäre der Komplexität und Individualität der einzelnen Menschen und ihrer Geschichte aber nicht angemessen, einfache Ratschläge und Rezepte abzuleiten. Im schon erwähnten letzten Kapitel des Buches ziehen wir trotzdem einige Konsequenzen, die sich für uns aus den Ergebnissen und Geschichten ergeben haben. Was wir hier jedoch nur ansatzweise machen konnten und wollten, wird in einem nachfolgenden Buch mit dem Titel Warum wir mündig glauben dürfen. Wege zu einem widerstandsfähigen Glaubensleben konkreter zur Sprache kommen (Erscheintermin vrsl. September 2015). Aus diesem Anlass sind wir mit verschiedenen Menschen in Kontakt getreten, die eine neue, vertiefte und inspirierende Sicht auf einige der in diesem Buch behandelten Themen haben. Es wird um praktische und grundsätzliche Fragen aus dem alltäglichen Glaubens- und Gemeindeleben gehen wie z.B.: Wie vermeiden wir Überforderung im Ehrenamt? Kann man sich gemeinschaftlich mit der Bibel beschäftigen, ohne dass jemand aus der Gruppe in die Rolle des Lehrers für alle treten muss, sodass jede Stimme einen gleichberechtigten Beitrag leistet? Wie schlimm sind Glaubenszweifel wirklich? Was ist eigentlich das berühmte „geistliche Wachstum“?

(aus dem Vorwort zur dritten Auflage)

aktuelle Lesungen:
13. März 2015 in Marburg
17. März 2015 in Siegen 

4 Comments

  1. An der Stelle mal die Aussage, dass ich das Buch mit viel Interesse (und manchmal auch Schrecken) gelesen habe.

    Empfehlenswert!!

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  2. Sönke

    Hallo Toby!
    Das ist eine schöne neue Seite! Ich wünsche Dir viel Erfolg damit (was immer das für Dich genau heißt..).
    Das Zitat von Fulbert Steffensky gefällt mir sehr gut. Ein schöner Eingangssatz, da guckt man sich gerne etwas genauer um 😉

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  3. Hallo,

    ich bin erst vor kurzem auf das Buch gestossen und muss ehrlich zugeben, es noch nicht zu gelesen zu haben. Hier und da hab ich im Internet was aufgeschnappt. Auf Erf habe ich die Sendung gehört.
    Das mit dem Prozess kann ich nachvollziehen. Nach 20 Jahren freikirchlichen Christentum hatte ich das Gefühl am Ende zu sein. Ich stand da und sagte : Es ist vorbei. Vorbei. Es hat sich einfach ausgeschlichen. Nach und nach habe ich meine Dienste aufgekündigt. Meine Frau ist immer noch dabei und meine Kinder gehen zur Sonntagsschule. Was mir eine echt bittere Erfahrung war und ist, dass man kaum Rückmeldung bekommt. Es wird als ” Phase ” oder Blödsinn abgetan. Man kommt schon wieder zurück usw. Dabei geht das alles doch tiefer. Man wird ja nicht zum Rebell. Nach 20 Jahren fühlt sich diese Leere an, als fehle einem ein Bein. Ein Bein allerdings, dass man nicht wiederhaben will. Entweder nimmt einen keiner ernst oder es interesiert keinen. Das ist bitter.

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