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Drei Tage lang wurde im Marburger Lokschuppen geträumt, gedacht, gemalt und gefeiert. Rund 300 Menschen kamen zur UNDspiration, dem „Fest der wilden Ideen“, und nahmen am Ende vor allem eines mit nach Hause: Mut zum Aufbruch.
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Kirche, Freikirche und Diakonie, christliche Initiativen und Start-ups: Selten sitzen so unterschiedliche Menschen so selbstverständlich an einem Tisch wie vom 16. bis 18. Oktober in Marburg. Haupt- und Ehrenamtliche, Gründer:innen, Innovator:innen, Theolog:innen und Künstler:innen kamen im Lokschuppen zusammen, um gemeinsam „vorwärts zu träumen“. Das Motto gab die Richtung vor: „Nicht das machen, was man gestern konnte, sondern lernen, was man morgen braucht.“
Freitag: Ideen auf der leeren Leinwand
Schon der Eröffnungsabend stellte die großen Fragen: Wie entstehen wilde Ideen? Und wie werden aus Gedanken konkrete Projekte? Antworten gaben Menschen, die ihre Ideen gegen viele Widerstände umgesetzt haben. Carsten Waldeck, Gründer von SHIFT, erzählte von seinem spannenden und nicht einfachen Weg von der Idee über das Scheitern bis zum erfolgreichen Shiftphone und wie er Gott dabei erlebt hat. EKD-Präses Anna-Nicole Heinrich stellte mit „Kirche+“ eine neue Start-up-Plattform vor, die kirchliche Projekte und Initativen mit Know How und Finanzen fördern will. Raban Fuhrmann, Transformationsexperte und Ideencoach war Ansprechpartner und Geburtshelfer für die Frage, wie die neuen Ideen jetzt umgesetzt werden können. Die Kunst von Gofi Müller & dem UND Kunstteam, Spoken Word von Marco Michalzik und Musik vom UND Kollektiv gaben dem Abend Farbe und Klang.
Dann wurde es persönlich. Alle Teilnehmenden bekamen eine kleine Leinwand, 20 mal 20 Zentimeter, und Stifte. Darauf war Platz für das, was sie bewegt: einen Traum, eine Frage, eine verrückte Idee für die Nachbarschaft, die Kirche oder den eigenen Alltag. Künstlerisches Talent brauchte es dafür nicht, auch keinen fertigen Plan. Ein Satz genügte, ein Symbol auch. Selbst eine Idee mit Fragezeichen war willkommen. Am Ende des Abends standen rund 300 Leinwände im Raum, und mit ihnen 300 neue Ideen für Kirche.
Samstag: Tiefer denken, weiter träumen, konkret handeln
Am Samstag ging es in die Tiefe. Drei „TED-Talks“ eröffneten den Tag:
Thorsten Dietz fragte, wie Glaube aussieht der „ausgewildert“ wird, der sich mutig in die Wildnis wagt. Wie viel Resilienz schenkt der Glaube dann und wie viel Veränderung hält er selbst aus?
Mara Steinbrenner, CEO von LOVEDIS und we love disruption, nahm die Teilnehmenden mit in die Welt erfolgreicher Start-ups und zeigte Gelingensfaktoren und was Ideen zum Wachsen brauchen. Wie Entscheidungen schnell getroffen werden können und wie neue Ideen in „Nischen“ wachsen können.
Martin Benz übertrug das auf die Kirche: Wie sieht eine Kirche aus, die für Menschen da ist, Leben fördert und geistlich lebendig bleibt? Wenn Gott Mensch wurde, dann dürfen wir es auch! Gerade in einer Zeit, die zunehmend menschenfeindlicher wird.
Dazwischen sorgten Spoken Word von Leah Weigand für nachdenkliche Momente und das UND Kollektiv für neue Lieder und Sounds. Ein echter Hingucker war das Kunstwerk von Gofi Müller und dem UND-Kunstteam: Sieben mal sieben Meter groß, nahm es den ganzen Raum ein und brachte viele zum Staunen.
Am Nachmittag wurde es praktisch. In Workshops, Seminaren und Coaching-Zonen arbeiteten die Teilnehmenden an ihren eigenen Ideen weiter. Gemeinsam mit Expert:innen für Transformation entwickelten sie neue Perspektiven und brachten erste Projekte ins Rollen. Auf der Vernetzungsmeile stellten sich zahlreiche Initiativen vor, und manche neue Kooperation nahm hier ihren Anfang. Der Tag klang am Abend mit dem Songwriter Samuel Harfst und der Theologin Jele Mailänder mit viel Musik, Gesprächen und interaktiven Formaten aus.
Sonntag: Feiern, auftanken, gesendet werden
Zum Abschluss der UNDspiration feierten alle gemeinsam Gottesdienst, mit Gott als Quelle aller Inspiration und als dem, der Neues wachsen lässt. Jele Mailänder nahm die Gemeinde mit auf eine wilde Reise und fragte: „Wenn Gott zum Aufbruch ruft – was bedeutet das für mich und für uns?“ Dabei beschrieb sie die Wildnis als den inneren Ort, „in dem das Vertraute nicht mehr trägt, das Neue noch keine feste Gestalt hat“ und an dem Gott spricht – und erinnerte daran, wie wichtig dort stärkende Zeiten am (inneren) Lagerfeuer und eine Begleitung sind, die weiß, wo wir unterwegs sind: „Jede:r braucht einen Cowboy!“ Wenn aus wilden Ideen Möglichkeiten werden, gelte es, mutig zu bleiben und Orte des Friedens zu schaffen, an denen Leben aufblüht, ohne dabei alles mitzumachen: „Macht euch nicht aus dem Staub! Aber schüttelt den Staub ab!“ Noch einmal kamen die Eindrücke, Begegnungen und Ideen des Wochenendes zur Sprache. Dann wurden die Teilnehmenden gesegnet und zurück an ihre Heimatorte gesendet, um dort einen Unterschied zu leben, die eigene Idee umzusetzen in Kirche, Gesellschaft und Alltag.
Mein Fazit: Die UNDspiration 2026 hat gezeigt, wie viel Kreativität und Aufbruchsgeist in Kirche und Gesellschaft steckt. Wer am Sonntag den Lokschuppen verließ, nahm mehr mit als eine bemalte Leinwand: neue Kontakte, frische Ideen und die Gewissheit, mit seinen Träumen nicht allein zu sein. Persönlich hat mich der Aufruf zu mehr Menschlichkeit von Martin Benz angesprochen. In einer Zeit, in der Empathie vermehrt als Schwäche gesehen wird und Menschenfeindlichkeit offen zur Schau gestellt wird, ist es wichtig, dass Christ:innen und Gemeinden Orte des Friedens und der Menschlichkeit sind. Wenn unsere Theologie sich nicht darin zeigt, dass Menschen aufblühen, dann läuft was falsch. In diesem Sinne: Mehr Menschlichkeit wagen.
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Die UNDspiration wurde veranstaltet von UND-Marburg in Kooperation mit dem EKKW Innovationsfond und der VRK Akademie.

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