“Die vergessene Gruppe der Kirche? Eine Studie zum Glauben und Leben von christlichen Singles.”

Kultur & Glaube

Die gesellschaftliche Entwicklung ist in den letzten Jahrzehnten unübersehbar, immer mehr Menschen leben allein. Keine Frage: Singles sind eine wichtige gesellschaftliche Gruppe. So hat der Einzelhandel längst darauf regiert und bietet viele neue „Singleprodukte“ an, wie z.B. besondere Urlaubsreisen oder Singlepackungen beim Einkauf. Die Welt der digitalen Singlebörsen, Partnersuchportalen oder Dating-Apps sind ein riesiges Geschäft. So ist es nicht verwunderlich, dass es in den letzten Jahren auch eine lebhafte Forschung zum Thema Singlesein gab, jedoch gibt es bislang wenig bis kaum gesichertes Wissen darüber, was es heute bedeutet als Christin oder Christ und Single zu leben, welche Chancen und Herausforderungen mit dieser Lebenssituation einhergehen und wie Einzelne damit konkret umgehen. Was doch etwas verwunderlich ist, da die Begründer des Christentums mit Jesus und Paulus beide überzeugte Singles waren.

Mit Jesus und Paulus stehen zwei Singles an der Spitze des Christentums

Wie leben den Christinnen und Christen ihr Singlesein? Sehen sie ihr Singlesein eher als eine Not oder eine Berufung Gottes? Fühlen sie sich in ihren Kirchen und Gemeinden wohl? Wie gehen sie mit Ihrer Sexualität um? Dies sind nur einige Fragen, die wir in den letzten Monaten bedacht haben, denn im christlichen Kontext kommen besondere Aspekte hinzu: Erstens gibt es eine von vielen beobachtete Geschlechterasymmetrie (in christlichen Kirchen und Gemeinden beteiligten sich meist sehr viel mehr Frauen als Männer), zweitens gilt in vielen christlichen Kontexten die Familie als zentrale Norm, was dazu führt, dass das Single-Dasein tendenziell nicht als gleich vollwertige Lebensform gilt oder zumindest unterschwellig so erlebt wird. Drittens herrschen in vielen christlichen Kreisen vielfach nach wie vor sehr traditionelle Sexualnormen vor, was zu einem tendenziell tabuisierten Spannungsfeld im Leben christlicher Singles führt. Was dies jetzt für christliche Singles bedeutet ist bisher offen. Mit dem Forschungsprojekt soll diese große Forschungslücke bearbeitet werden.

Zielgruppe quer durch alle Kirchen und Gemeinden sowie Altersstufen

In den Vorbereitungen zur Studie haben wir sowohl mit der evangelischen und der katholischen Kirche als auch mit verschiedenen Freikirchen zusammengearbeitet. Um ein möglichst breites Verständnis zu bekommen, haben wir uns auch mit verschiedenen Singlearbeiten und christlichen Singlebörsen beschäftigt, was sehr spannend und erhellend war. Das Forschungsdesign sieht eine trianguläre Studie vor, die die Vorteile einer quantitativen Online-Befragung mit einer möglichst großen Stichprobe mit den Vorteilen qualitativer, biografisch-narrativer Interviews verbindet. Die ersten 14 qualitativen Interviews haben wir schon durchgeführt, was uns einen sehr interessanten Einblick in die Lebens- und Glaubenswelt von christlichen Singles gegeben hat.

Gemeinde und Sexualität als erste Brennpunktthemen

Ohne der systematischen Analyse vorzugreifen, fallen uns vor allem die Themen Gemeinde und Sexualität in den ersten Interviews auf. Viele Singles beklagen sich, dass die Gemeinden zu sehr auf Familien ausgerichtet sind und sie als Singles eher als „gute Mitarbeiter“ wahrgenommen werden, die „gerade an den Feiertagen immer mitarbeiten“ können. Überhaupt gibt es wenige Angebote für Singles (was einige wiederum auch gar nicht wollen), aber was viele doch schmerzt, ist, dass sie in den Gedanken und Beispielen von Hauptamtlichen „einfach nicht vorkommen“. Ein anderes Thema ist der Umgang mit der eigenen Sexualität, auch dies wird im Kontext der Gemeinde so gut wie nicht thematisiert, aber auch Singles sind sexuelle Wesen und wie sie mit ihren sexuellen Bedürfnissen umgehen, ist den Gemeinden oftmals egal: „Meine Gemeinde sagt deutlich ‚kein Sex vor der Ehe’ und damit stehe ich dann alleine da“. Und so stehen viele Singles mit Themen von „verliebt sein in einen verheirateten Mann“ bis „Ist es ok als Christ zu einer Prostituierten zu gehen“ alleine da. Diese ersten Eindrücke wollen wir nun deutschlandweit überprüfen und haben einen großen Onlinefragebogen zu der Thematik erstellt.

Schon über 3000 christliche Singles haben mitgemacht

Diese ist seit einigen Wochen online und es haben schon über 3000 christliche Singles mitgemacht. Der Fragebogen ist noch bis zum 15. Januar 2019 online: WWW.SINGLE-STUDIE.DE. Mitmachen können alle christlichen Singles, die älter als 20 Jahre sind und seit drei Jahren ohne Partnerin/Partner sind. Gerne kann die Umfrage auch gezielt verteilt oder verschickt werden. Fragen und Anmerkungen können gerne an mich und/oder das Forschungsinstitut empirica für Jugend, Kultur und Religion gestellt werden. Die Studie wird durchgeführt in Kooperation mit dem SCM-Verlag und finanziert von der SCM-Stiftung.

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