„Die doppelte Bewegung von Mission: Anschlussfähigkeit und Kontrastgesellschaft“

Christen, Christentum, Evangelim, geistlichen Wachstum, Gemeinde, Gerechtigkeit, Gesellschaftstransformation, Gott, Theologie

Heute hatte ich ein interessantes Gespräch über das Verständnis und der Notwendigkeit von Mission innerhalb der Kirche. Dabei war mir wichtig die doppelte Aufgabe von Mission zu sehen, zum einen anschlussfähig zu in Sprache und Verständnis (Kontextualisierung) und gleichzeitig auch den Kontrast des Evangeliums als Alternative zu leben (eigene Identität). Dabei spielt die eigene Haltung gegenüber dem Anderen eine zentrale Rolle. Das Interesse am Glauben, Denken, Handeln und Sprechen des Anderen kann die eigene Sprachunfähigkeit überwinden. Das ist die Grundvoraussetzung einer gelingenden Anschlussfähigkeit: vom Andern her die eigene Botschaft neu zu lernen, die man überbringen möchte. Dabei ist es die ureigenste Aufgabe der Kirche ‚Kontrastgesellschaft’ (Lohfink) zu sein und ihren Auftrag, (möglichst) unabhängig vom gesellschaftlichen Mainstream leben. Dabei hat Kirche den unverrückbaren Auftrag sich um die Armen, Kranken, Ausgegrenzten und Vergessenen zu kümmern? Kirche sollte immer prophetischer ‚Seismograph’ sein und ganz im Sinne Bonhoeffers ‚öffentliche Kirche’ sein, denn er sagte zu Recht: „Ohne die Schwächsten ist die Kirche nicht ganz“. Kirche sollte als Anwältin der Benachteiligten, der Schwachen, Armen und Ausgegrenzten bekannt sein und die Gemeinwesenarbeit vor Ort prägen. Dazu ist ein Sichtwechsel nötig, so dass wir das Gesicht des Anderen wahrnehmen können. Dies gilt sowohl für den persönlichen Lebensbereich und die Kirche als auch für lebenswerte Strukturen. Kontrastgesellschaft bedeutet, den gesellschaftlichen Maßstäben, die zunehmend ums Konsumverhalten kreisen, mit Liebe, Heiligkeit und Leiden in einem prophetischen Lebensstil zu begegnen, der sich konkret in den Beziehungsebenen des Alltags zeigt. Die Kirche als der Leib Christi in der Welt ist Stützpunkt der anbrechenden Gottesherrschaft und damit auch ein Gegenmodell zu den Herrschafts- und Machtstrukturen der Welt mit ihren ökonomischen, politischen und sozialen Ungerechtigkeiten sein (Mk 10,42-44).

2 Comments

  1. Das ist ein für mich sehr aktuelles Thema. Ich habe nur eine Frage: Im letzten Absatz müsste es doch eigentlich „Konsumgesellschaft heißt, den gesellschaftlichen Maßstäben…zu begegnen“ anstatt „die“?
    Dieser Teilsatz wird mir aber auch dann nicht ganz klar: „mit Liebe, Heiligkeit und Leiden einen prophetischen Lebensstil zu begegnen,…“ Was meinst du damit?

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  2. Danke, ja, muss „den“ heißen! 😉

    „Liebe, Heiligkeit und Leiden“ sind für mich nicht konsumierbar und bilden so ein Kontrastprogramm gegenüber dem gesellschaftlichen Angeboten. Das find eich sehr spannend. Thomas Weißenorm hat darüber mal was in seinem lesenswerten Buch „Christsein in der Konsumgesellschaft“ geschrieben….

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