„Das Mutterherz Gottes. Quergedachtes zur Jahreslosung 2016: Ich will dich trösten, wie dich eine Mutter tröstet.“

Theologie
Jahreslosung-2016-Eberhard-Muench

Es liegt schon einige Jahre zurück, ein scheinbar kleines, aber für mich lehrreiches Erlebnis. Ich war mit einem internationalen Team auf einem Missionseinsatz und unser Teamleiter hielt uns eine Andacht über das „Vaterherz Gottes“, was zu der Zeit und bis heute sehr populär war und ist. Mitten in der Andacht sprang ein Teamkollege von mir auf und rannte davon. Ich konnte kurz sein Gesicht wahrnehmen und sah den Schmerz darin. Am Abend ging ich auf sein Zimmer und fragte, was denn los gewesen sei und er erzählte mir unter Tränen die Geschichte von seinem Vater, der ihn sein Leben lang demütigte und missbrauchte und jetzt, so stellte er frustriert fest, soll also Gott wie mein Vater sein? Wie redeten an diesem Abend noch lange und mir wurde deutlich, wie stark die anthropomorphe Rede von Gott sich in unser Leben und unseren Glauben einbrennt. Damals habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, wie Gott eigentlich ist und klar, Gott ist an sich weder männlich noch weiblich, aber die Bilder Gottes sind in meiner Sozialisation klar männlich und dafür gibt es ja auch reichlich biblische Begründungen, so wird allein im Neuen Testament 261 Mal Gott mit „Vater“ bezeichnet (besonders natürlich das ‚Vater unser’). Jetzt ist das nicht verwunderlich, da die biblische Tradition und ihre Gottesvorstellung einem patriarchalen Selbstverständnis entsprungen ist. Und obwohl das richtig ist, gibt es doch dutzende Stellen in der Bibel, die Gott auch mit weiblichen Bildern beschreiben, wie unsere Jahreslosung zum Beispiel, und die in der Auslegungstradition und in der Prägung meines Gottesbildes kaum eine Rolle gespielt haben. Einige Beispiele sollen kurz angeführt werden:

Gott als gebärende Frau: Dtn 32,18b; Jes 42,14b; Num 11,12; Hiob 38,8; 38,29: Joh 16,21; Gott als stillende Mutter: Num 11,11-13, Ps 131,2, Jes 49,15, Hos 11,4, 1Petr 2,2; der Gott, der kleidet: Gen 3,21, Mt 6,25-34; Gott erzieht: Jes 46,3-4, Hos 11,1-4; Gott tröstet: Jes 66,13, Offb 21,4; Gott als Geburtshelferin: Ps 22,10-11, Jes 66, Gott als Bärenmutter: Hos 13,8, Ps 123,2, Lk 15,8-10, Gott als Bäckerin: Mt 13,33, Lk 13,20-21; Gott als Adlermutter: Ex 19,4, Dtn 32,11-12; Gott als Henne: Ps 17,8, Ps 57,2, Mt 23,37, Lk 13,34 (Ameleo).

Wie wichtig eine Kontextualisierung des Glaubens in unsere Sprache und Kultur ist, aber auch wie missverständlich und schmerzhaft dies sein kann und wie stark und selektiv unsere Bibelauslegungen sein können, wird an diesem Beispiel für mich gut deutlich. Biographie ist doch stärker als Theologie. Aber zurück zur Jahreslosung, die aus dem Propheten Jesaja kommt, genauer gesagt aus dem letzten Teil Jesajabuches, Kapitel 66: „Ich will dich trösten, wie dich eine Mutter tröstet.“ Die Israeliten hatten eine Katastrophe nach der anderen erlebt, Zerstörung, Krieg und zwei Deportationen nach Babylonien, dazu war Jerusalem und der Tempel als Wohnung Gottes zerstört. Mitten in diese Trübsal spricht der Prophet Jesaja immer wieder seine Trostworte hinein und spricht dem Volk Heil und Zuversicht zu. Dies geschieht auf mehreren Ebenen, zum einen sehr konkret in der Rückführung der Israeliten unter dem König Kyros und dem Aufbau von Jerusalem und dem Tempel und zum anderen in den großen Gottesknechtliedern, die Trost und Erlösung prophezeien (Jes 42, 29, 50, 52) und zum universalen Ziel Gottes für die gesamte Menschheit führen. In den letzten Kapiteln des Jesajabuches kumulieren diese Ebenen in der Ankündigung des umfangreiches Trostes für Jerusalem/Zion, es geht um den Schalom, den Frieden Gottes für diese Welt. In diesem Kontext ist das „trösten“ zu verstehen, denn es geht hier nicht um ein kurzes Trösten, sondern um einen existenziellen und verändernden Trost, einen transformatorischen sozusagen. Das Wort Trost hängt von seinem hebräischen Ursprung (Wortstamm: nchm kömmt 119mal im AT vor) mit den Worten ‚treu’ und ‚Vertrauen’ zusammen und bedeutet, dass Gott selbst tröstet, sich unser erbarmt und für uns einsteht, ja, aus dem Alten was Neues erwachsen lässt. Dazu kommt, dass im hebräischen Denken das Wort mit Barmherzigkeit/Erbarmen/Mitgefühl (rachamim) zusammenhängt und durchweg einen mütterlichen Wesenszug besitzt, da es gleichbedeutend mit Mutterschoss/Gebärmutter (rächäm) ist (vgl. Ex 34, Hos 11; Jer 31 etc.). Wenn deutlich wird, dass rächäm neben dem Wort Herz (leb) das häufigste gebrauchte (innere) Organ im AT (ist und neben dem Sitz der Gefühle (auch Muttergefühle) auch der Ort des Glaubens an Gott darstellt, dann kann erahnt werden, wie wichtig die ‚weibliche Seite Gottes’ in der Bibel ist. Im NT wird diese breite Bedeutung von Trost/Tröster aufgenommen und weitergeführt, wenn Gott selbst der Gott allen Trostes ist (2. Kor 1, 2+3) und der Heilige Geist unser Tröster (Paraklet) bis in alle Ewigkeit ist (Joh 14, 16). Jesus selbst nimmt in seiner ‚Antrittsrede’ (Lk 4) den inhaltlichen Faden dieses verändernden Trostes auf, wenn er Jesja 61 zitiert „den Armen frohe Botschaft zu verkünden, die zu verbinden, die ein zerbrochenes Herz haben, auszurufen den Gefangenen die Befreiung und den Gebundenen die Lösung ihrer Fesseln, auszurufen ein Jahr des Wohlgefallens für GOTT und einen Tag der Vergeltung für unsere Gottheit, zu trösten alle, die trauern, damit sich freuen die Trauern- den Zions…“.

Es ist interessant, dass ich diese ‚feminine Seite’ Gottes kaum in der Verkündigung wahrnehme, um so dankbarer bin ich für die Jahreslosung. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich in letzter Zeit verwundert war über die ‚antifeministischen Reflexe’ mancher Christinnen und Christen. Sicherlich, wie in jeder Bewegung gibt es auch im Feminismus eine ideologische Spitze, die es auch zu kritisieren gilt. Aber im großen und ganzen können Männer und Frauen tief dankbar sein für die mutigen Frauen, die in den letzten hundert Jahren gekämpft haben für eine Gleichberechtigung von Mann und Frau und ehrlich gesagt denke ich, dass wir das immer noch nicht erreicht haben. Und dies gilt um so mehr, wenn wir in den christlichen Bereich schauen. Im Jahr 1908 wurden in Deutschland evangelische theologische Fakultäten erstmalig für Frauen geöffnet (durften allerdings kein Examen machen) und es dauerte noch bis 1991, bis die letzte Gliedkirche der EKD die Frauenordination erlaubte. Und der Weg dahin war steinig und schwer, denn über viele Jahrhunderte hat die Frau in der Gesellschaft nichts oder nicht viel gezählt und es waren leider nicht die Christen, die dies geändert haben, was man vielleicht hätte hoffen können. Nein, viele tun sich, bis heute, schwer damit Frauen in allen kirchlichen Ämtern als gleichberechtigt anzuerkennen. Und erst letzte Woche wurde ich im Blick auf die Diskussion innerhalb der Ev. Allianz darauf hingewiesen, dass sich all unsere Kirchenvätern einig seien, dass Frauen nicht lehren noch leiten dürfen. Ja, das stimmt wohl und wenn ich hier einige zitiere, dann, um aufzuzeigen, dass ein ganz anderes Welt- und Frauenbild hinter diesen Aussagen stand, was aufzeigt, wie wichtig die biblische Auseinandersetzung um Gleichberechtigung war und ist: Tertullian (160-225): „Die Frau ist eine betörende Verführerin und hat die Schuld am Leiden der Menschheit.“ Epiphanius (315-403): „Die Frau ist leicht zu verführen und hat keinen großen Verstand und ist schwach.“ Augustinus (354-430): „Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, dass die Frauen den Männern dienen.“ oder Thomas von Aquin (1225-1275): „Die Frau ist eine minderwertige Fehlkonstruktion und das Resultat einer Schwäche der Zeugungskraft des Vaters.“

Wie tief diese Wurzeln bis heute in den freikirchlichen und auch pietistischen Bereich reichen zeigte unsere Dekonversionsstudie (2014). Viele Frauen fühlen sich nach wie vor minderwertig und nicht von Gott angenommen, weil es viele ungeschriebene Gesetze (und expliziten Verhaltenskodizes) in manchen Gemeinden gibt und viele Frauen spüren, dass sie in ihrem Glauben in der männlichen Tradition von Lehre und Leitung nicht vorkommen (Nach dem Motto: Frauen sind zwar vor Gott gleich viel wert, sind aber unterschiedlich in ihren Gaben und Aufgaben). Von den sieben von uns interviewten Frauen berichten fünf von der Erfahrung eines schlechten Gewissens bis hin zur Selbstverurteilung und dem ständigen Gefühl, dass sie und ihr Glaube vor Gott und Menschen nicht ausreichen. In Anbetracht der Tatsache, dass der Glaube in den Gemeinden in der Regel als befreiend gepredigt wird, ist diese Selbstverurteilung ein weiterer Hinweis auf die großen Diskrepanzen im Gemeinde- und Glaubensleben. Die Folge ist das Gegenteil von dem, was Glaube eigentlich möchte, denn die betroffenen Frauen fühlen sich minderwertig und unfrei, was sich auf den gesamten Lebensentwurf niederschlägt. Gerade in solchen Erfahrungen fehlt die weibliche Seite Gottes, um einen Ausgleich und eine ernsthafte Wertschätzung zu leben, denn beides ist gleichermaßen wichtig, die männlichen und die weiblichen Bilder und Attribute Gottes, damit wir ihn/sie in ihrer/seiner Größe und Fülle möglichst umfassend erkennen können.

Wenn wir ehrlich sind, steht über das Gottwesen nicht viel in der Bibel, Gott ist Licht und Liebe, ist gerecht und heilig und dann gibt es viele Bildern, Metaphern, Gleichnisse in der Bibel, die uns Menschen helfen sollen, ihn besser zu verstehen. Es gibt nur eine Stelle, in der sich Gott selbst mit Namen vorstellt und zwar in Exodus 3,14: „Ich werde der Sein, der ich Sein werde“ (oder „Ich bin, der ich bin“). Das Elative, das Definitive, wird hier unterstrichen, dass Gott einen Namen hat, ist für die Hebräer Gottesbeweis genug. Der Name Gottes erweist sich dabei in seinem/ihrem Handeln, in seinem/ihrem Tun, in seinen/ihren Beziehungen, nicht in einer statischen Definition. Das hebräische Verb, was hier im Mittelpunkt steht (hajah), beschreibt das aktive Handeln Gottes. Hajah meint ein Sein, das sich im Wirken erweist. „Ich bin der ich bin“ spiegelt das Seinszentrum Gottes wider, ganz unabhängig von Geschlechtlichkeiten. Und hier schließt sich der Kreis zu unserer Jahreslosung. Gott ist der/die Handelnde, der/die sich auf unterschiedlicher Weise seinem/ihrem Volk in Geschichte, Gegenwart und Zukunft offenbart. Und dies tut er/sie auf unterschiedliche anthropomorphe Weise mit den Attributen, die wir als seine/ihre Geschöpfe verstehen können, so dass wir Stück für Stück sein/ihr Wesen verstehen, erfahren und begreifen können. Die Jahreslosung erinnert uns daran, dass dazu unbedingt die barmherzige, tröstende und mitfühlende Seite Gottes – das ‚Mutterherz Gottes‘ gehört.

Bild: Eberhard Münch

 

 

43 Comments

  1. „…die biblische Tradition und ihre Gottesvorstellung einem patriarchalen Selbstverständnis entsprungen ist“.

    Mit dieser Grundlage würde ich zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Ebendiese Prämisse halte ich aber für zu kurz gedacht und dem biblischen Zeugnis nicht entsprechend, denn wo sonst wird Zeugnis über die Selbstoffenbarung Gottes gegeben?
    Kann ein Vater ein Mutterherz haben? Bis zu einem gewissen Grad ja, aber selbst darin bleibt es nun mal des Vaters Herz. Die Geschichte mit dem weinenden Teamkollegen ist berührend, aber für eine Genderisierung Gottes natürlich ungeeignete Begründungsgrundlage. Letztlich bleibt Gott Geist, aber Jesus nun mal ein Mann und wer ihn (nicht sie) sieht, der sieht Gott. Und gerade darin ist er für Frauen und für von Vätern verletzte Männer ganz da.

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    • Nicht so eng sehen. Gott ist viel weiter als anthropomorphe Hilfen und Einordnungen. Zur „Vater“-Problematik gehört biblisch auch, dass Jesus von einer – spirituellen – Mutterschaft, Schwesternschaft und Bruderschaft bei all denen spricht, die das Wort Gottes hören und danach handeln. Von einer entsprechenden Vaterschaft spricht Jesus nicht und überläßt diese ganz dem himmlischen Vater … Das alles dürfte ruhig mehr Konsequenzen haben in der Unterweisung, Mission und Gestaltung von christlichen Glaubensgemeinschaften

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  2. Ralf Weber

    Bei der bewegenden Veranstaltung „70 Jahre Frieden“ hier bei uns in Stuttgart in diesem Jahr haben wir darüber gesprochen, was „Adonai echad.“ aus „Sh’ma Yis’ra’eil Adonai Eloheinu Adonai echad“  im jüdischen Glaubensbekenntns bedeutet (5. Moses 6,4,  dieses Bekenntnis ist unsere gemeinsame Grundlage).  Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen.

    Dazu habe ich gefunden:
    http://lhim.org/blog/2013/09/29/what-does-the-hebrew-word-echad-mean

    „As mentioned, in the vast majority of cases, echad refers to one single item. However, in a small minority of cases, echad refers to one group of items. Here are three examples of this:

    Therefore a man shall leave his father and his mother and hold fast to his wife, and they shall become one (echad) flesh. (Genesis 2:24, ESV)“

    Es bedeutet für uns, dass wir auch ein Leib mit unserem Gott werden als „Geist von seinem Geist“.

    Dazu möchte ich gerne noch folgende Gedanken weitergeben:

    Unser liebender Gott (Abba, Jeschua und Ruach) liebt alle Menschen von Herzen und möchte sie wie ein liebender Vater zur Umkehr und einer engen und herzlichen Beziehung mit ihm selber leiten. Er hat Mann und Frau als sein Ebenbild geschaffen. Beide  haben besondere Eigenschaften von ihm selber und zeigen uns, wie er ist. Die einen haben mehr führende Eigenschaften, die anderen mehr liebevolle umd umsorgende. So ist der heilige Geist als Ruach im hebräischen weiblich und beschreibt Gott, wie er in uns als seinem menschlichen Gegenüber („Sie“) lebt. Er versorgt uns liebevoll  mit seiner direkten Gegenwart, ist ein liebevolles Gegenüber und pflegt eine lebendige und herzliche Beziehung mit uns die uns trägt.

    Das Gegenüber von Mann und Frau ist ein grundlegender Bestandteil der menschlichen Schöpfung und auch ein Bild dafür, wie sich bei der Vollendung der Heilsgeschichte unser Gott als der Bräutigam und wir als die Braut innig und liebevoll vereinigen. Gott hat jeden Menschen eindeutig als Mann oder Frau geschaffen. Durch Jesus bietet er uns die Wiederversöhnung an (Lukasevangelium 15) und will uns wieder in unsere Bestimmung bringen.

    Dazu die Bibel , dem Wort unseres Gottes in Moses/Genesis 1, 27:
    Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

     1.  Moses/Genesis 2,18.21-24:
    Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht … und Gott, der HERR, baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau, und er brachte sie zum Menschen. Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn vom Mann ist sie genommen. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden. Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht. (1. Mose 2,18.21-25)

    Hier im weiteren ein guter  Artikel für uns Familien:

    http://www.charisma-magazin.eu/charismapdf/158/bonus/BONUS%20Ch158%20zu%2029%20Fasung%20+26.pdf

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  3. @David: Ich bin mir nicht sicher, ob du mich verstanden hast, ich denke, dass sowohl ‚Vater‘ als auch ‚Mutter‘ nach dem biblischen Zeugnis Bilder/Metaphern für Gott sind.

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    • Dem stimme ich zu einem gewissen Grad zu, aber ich denke eben auch, dass sich Gott ultimativ und umfassend in Jesus offenbart und dieser ist nun… ein Mann. Darum kann Gott sich als Schöpfer aller weiblichen Qualitäten und mütterlichen Instinkte freilich zutiefst ins Muttersein und in feminine Gefühle und Gedanken einfühlen und eindenken, aber ich kann ihn letztlich nicht mit weiblichen Pronomen (wohl aber mit weiblichen Adjektiven, falls es das graduell gibt) beschreiben, denn wenn wir Gott sagen, dann sagen wir auch immer Jesus.

      Die Sätze „Der Name Gottes erweist sich dabei in seinem/ihrem Handeln, in seinem/ihrem Tun, in seinen/ihren Beziehungen…“ etc. sind darum durch die mask./fem. Pronomen falsch, weil sie den Eindruck erwecken könnten, Gott und Jesus seien zu unterscheiden. Für Jesus kann ich nunmal keine weibl. Pronomen verwenden. Man impliziert: Gott kann mehr mit weiblichen Metaphern belegt werden als Jesus. Das ist freilich falsch.

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  4. Ich kann dem allen im Großen und Ganzen zustimmen. Was ich aber nicht verstehe, ist der plötzliche Querschläger auf Freikirchen: „Wie tief diese Wurzeln in den freikirchlichen und auch pietistischen Bereich reichen…“
    Ganz sicher gibt es alte Freikirchen, pietistische Gemeinden, neopietistische Gemeinden (ich habe einiges aus Aussiedler-Gemeinden gehört…), wo diese Dinge zutreffen mögen.
    Allerdings dürfte das für viele evangelisch- landeskirchliche und v.a. für die katholische Kirche wohl ebenso gelten…
    Irgendwo und irgendwie ist das „Freikirchen-Bashing“ mal in Mode gekommen in den letzten Jahren. Schade. Wir sind doch alle Teile an Jesu Leib. Alle Teile seiner Braut. Oder?

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  5. @David: Ja, das sehen wir unterschiedlich. In der Inkarnation Jesu nimmt Gott die kulturelle, menschliche Gestalt an, was auch die Geschlechtlichkeit umfasst. Ob diese noch im Himmel gibt, ist fraglich, siehe: Markus 12,18-27. Dort wird es eben gerade ‚himmlisch‘ sein und nicht mehr ‚irdisch‘: 1. Korinther 2, 9.

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    • Ist die menschliche Gestalt Jesu kulturell, Tobias?
      Er hat uns doch erst Gott als Vater vorgestellt und nähergebracht, nicht?

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      • Bin mir nicht sicher, ob ich dich verstehe, aber a) Inkarnation beinhaltet Kultur und b) nur durch die Kultur konnte Jesus uns Gott näher bringen.

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    • @Tobi: Danke erst mal für das beständige Beantworten von Kommentaren.
      Wie oben gesagt, sehe ich ja auch, dass Gott Geist ist. Dass Jesus als Mensch in kultureller und menschlicher Gestalt kam, sehe ich auch, aber als Gott-Mensch war auch mehr als kulturell konstituiert.

      Wird Wahrheit (über Jesus) im kulturellen Diskurs konstruiert, um (männliche) Machtansprüche auszudrücken, oder wird Wahrheit offenbart und herausgefunden?

      Kommt Jesus bei der zweiten Wiederkehr als Mann oder als Frau? Regiert Jesus in Ewigkeit als König, oder als Königin? Wird die Braut beim himmlischen Hochzeitsmahl einen Bräutigam heiraten (Mt 22; Off 19) oder eine Frau?

      Ich denke einfach, dass wenn biblisches Zeugnis und Jesus allzu kulturell gedeutet werden, dass man sich dann einige Probleme einkauft. Wenn Gott etwas ‚wie‘ eine Mutter tut, ist es etwas anderes, als wenn er es als Mutter tut. Frauen ist doch nicht geholfen, wenn Gott plötzlich halt egal als Mutter oder Vater gesehen werden kann. Wird das Gottesbild dadurch wirklich weiter, und ab wann wird es falsch? Ich meine, dass Selbstverurteilung und Minderwertigkeit aufhören, wenn Männer anfangen, sie als das schwächere Gefäss zu lieben, zu fördern zu unterstützen. Und vor allem, wenn sie Gott kennenlernen. Dann kann sogar Theologie stärker als Biographie sein. Aber auf die Antwort der Fragen bin ich sehr gespannt. Und wie gesagt: Dass Gott das Feminine geschaffen hat und dadurch in- und auswendig kennt, dem stimme ich ja zu und das sollte auch gepredigt werden.

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      • Ich finde die Frage nach Gottes (metaphorischer) Geschlecht müßig. Es geht doch bei allem um Verstehenshilfen Gottes – also das wir Ihn verstehen, erfahren, im tiefsten Sinn erkennen, und zwar auch in Menschen und ihren Rollen identifiziert. Wieso den Mann / die Frau in Gott suchen und nicht Gott im Mann / in der Frau? Schließlich sind doch wir Gottes Ebenbild(er) und nicht er unseres.

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  6. @Phil: Nein, das sollte kein „Freikirchen-Bashing“ sein. Aber viele Freikirchen tun sich tatsächlich schwer mit der Frauenordination und wenn ich die Kritik zu diesem Post (per Mail) anschaue, dann bestätigt sich dies. Deshalb bleiben wir ja trotzdem ein Leib! 😉 Genauso wie mit den Katholischen Geschwistern.

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  7. Danke Tobi für deine Gedanken 🙂
    Ich glaube auch, dass Gott weibliche und männliche Seiten hat. Wie genau das vonstatten geht, können wir nicht ergründen. Gott ist eben Gott. Dieses Wesen ist geheimnisvoll und für uns sowieso nicht zu fassen! Aber wir haben die Möglichkeit, Gott immer besser kennenzulernen. Dazu brauchen wir den Kontakt, also eine lebendige Beziehung mit ihm. Denn auch wenn wir denken, wir kennen ihn schon – das tun wir eben nicht! Also lasst bitte das Schubladen auf- und zumachen sein und fragt Gott doch einfach selber, wer er ist. Gott WIRD darauf antworten!!!!!

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  8. Lieber Tobias, du hast mit deinen Ausführungen offenbar
    wieder einmal einen wichtigen Akzent gesetzt. Mir persönlich hast du die Jahreslosung wertvoll gemacht. Als jemand, der es aus eigener Erfahrung ernst nimmt, von Gott, dem Vater zur Welt gebracht worden zu sein, sage ich danke. Mehr Mutter geht nicht. Und als jemand, den es jetzt schon graust vor all dem Oberflächlichen, das richtigerweise auch dazu gesagt werden darf, gleich noch ein Danke für das Andenken zum Selberdenken.

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  9. Danke für diesen Blogeintrag Tobias.
    Angesichts all der Menschen, die sich durch diese Sicht auf Gott, angegriffen fühlen, will ich auch hier nochmals kurz auf den Artikel hinweisen.

    »The people who are upset that the faces of fiction* are changing are right to worry. It’s a fundamental challenge to a worldview that’s been too comfortable for too long. The part of our cultural imagination that places white Western men at the centre of every story is the same part that legitimises racism and sexism. The part of our collective mythos that encourages every girl and brown boy to identify and empathise with white male heroes is the same part that reacts with rage when white boys are asked to imagine themselves in anyone else’s shoes.«

    * und mit dieser Jahreslosung hoffentlich auch in weiteren Teilen der Theologie

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  10. Danke Ron, für deine Kommentierung, in manchem stimme ich zu, manche sehe ich anders, werde im neuen Jahr etwas genauer darauf eingehen. In einem habe ich mich unpräzise ausgedrückt, rächäm ist ist das zweithäufigste genannte ‚innere Organ‘ im AT! Natürlich nicht ‚Wort‘, das würde ja keinen Sinn machen. Danke für den Hinweis, habe ich verbessert. Die grundlegende Frage, die mich natürlich interessiert: Glaubst du wirklich, dass Gott ein Mann ist?

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    • Danke Tobias! Ich habe den Abschnitt zu Mutterschoß und Herz bei mir aus dem Text entfernt. Zu Deiner Frage: Dass Gott ein Mann ist, habe ich m.W. bisher nie behauptet. Gott ist mein Vater.

      Liebe Grüße, Ron

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        • Lieber Ron,
          danke, dass du dir so viel Mühe mit den Bibelstellen gemacht hast. Ich habe mir jetzt deine Kommentare und die Stellen noch mal angeschaut und es ist wie meistens, es kommt auf die Intension an mit der man die Stellen liest. Ich habe sie als eine Illustration und ein Beispiel dafür angesehen, dass es nicht nur in der Jahreslosung weibliche Bilder von Gott gibt, sondern auch darüber hinaus. Du versuchst dann nachzuweisen, dass die einzelnen Verse nichts über die Identität als Mutter aussagen. Dies wird an deinem Kommentar zu Jes 42,4 sehr deutlich: „Der Vers spricht nicht über eine Frau, sondern davon, dass Gott wie eine Gebärende schreien wird. Hier wird eine Tätigkeit Gottes beschrieben. Eine Eigenschaft oder Aktivität ist nicht mit Identität zu verwechseln.“ Aber mir ging es gerade um Eigenschaften oder Aktivitäten, um eben die feminine Beschreibung Gottes. Ich versuche in meinem Blog ja gerade bei der Frage der Identität Gottes zu beschrieben, dass Gott weder Vater noch Mutter ist, sondern: „Ich werde der Sein, der ich Sein werde“. Ich fand den Hinweis mit der Ebenbildlichkeit auch sehr hilfreich: Mann und Frau sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen.

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  11. den Ausführungen von Tobias Artikel kann ich folgen.
    Aber: schreibt (redet) bitte in unserer Sprache .Englisch ist für mich wie Zungenreden da ich dieser Sprache nicht mächtig bin.
    Gesegnetes neues Jahr Karlo

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  12. Lieber Ron,
    danke, dass du dir so viel Mühe mit den Bibelstellen gemacht hast. Ich habe mir jetzt deine Kommentare und die Stellen noch mal angeschaut und es ist wie meistens, es kommt auf die Intension an mit der man die Stellen liest. Ich habe sie als eine Illustration und ein Beispiel dafür angesehen, dass es nicht nur in der Jahreslosung weibliche Bilder von Gott gibt, sondern auch darüber hinaus. Du versuchst dann nachzuweisen, dass die einzelnen Verse nichts über die Identität als Mutter aussagen. Dies wird an deinem Kommentar zu Jes 42,4 sehr deutlich: „Der Vers spricht nicht über eine Frau, sondern davon, dass Gott wie eine Gebärende schreien wird. Hier wird eine Tätigkeit Gottes beschrieben. Eine Eigenschaft oder Aktivität ist nicht mit Identität zu verwechseln.“ Aber mir ging es gerade um Eigenschaften oder Aktivitäten, um eben die feminine Beschreibung Gottes. Ich versuche in meinem Blog ja gerade bei der Frage der Identität Gottes zu beschrieben, dass Gott weder Vater noch Mutter ist, sondern: „Ich werde der Sein, der ich Sein werde“. Ich fand den Hinweis mit der Ebenbildlichkeit auch sehr hilfreich: Mann und Frau sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen.

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  13. vielen Dank für diesen Artikel!
    Zwei Ergänzungen:
    Schon in der Schöpfungsgeschichte werden Mann UND Frau als „Ebenbild Gottes“ dargestellt. Damit ist für mich ganz klar, dass wir uns um eine ganze Hälfte berauben, wenn wir Gott auf das Vaterbild reduzieren.

    Zu „Ich bin, wer ich bin/Ich werde sein, wer ich sein werde“: Von IGNIS gibt es einen tollen Vortrag über „Gott, der ganz andere Vater“ von Rüdiger Halder, in dem sehr deutlich aufgezeigt wird, dass Gott selbst nichts mit der damals herrschenden patriarchalen Gesellschaftsordnung zu tun hat. Der Vortragende erklärt og. Zitat noch weitergehend: das Verb ist eine spezielle Form (Fachbegriff entfallen), die ein Gegenüber braucht. Wie bspw. „ich umarme“ nicht vollständig ist – es fehlt der Bezug – so ist auch dieses „Ich bin“ nicht vollständig. Er übersetzt es als „Ich bin da für Dich/ Ich werde da sein für Dich“.
    Wer also diesen Gedanken des Gottesbildes vertiefen möchte, dem sei dieser Vortrag empfohlen:
    http://www.ignis.de/Seminare/live-dabei/live-dabei-gott-vater.html
    Gruß, Iris

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