“Nelson Mandela – Widerstandskämpfer, Vorbild, Visionär. Ein paar persönliche Gedanken zum 100. Geburtstag.”

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Ich war zum ersten Mal 2001 zum Studium an der Universität von Südafrika in Pretoria (UNISA). Es ist die Universität, an der auch Mandela studiert hat und man kann sich vorstellen, welche Rolle er dort bis heute spielt. Die UNISA war die erste Universität, an der unter der Apartheit auch Schwarze studieren durften und sie spielt bis heute eine große Rolle, wenn es um Bildungsgerechtigkeit in Südafrika geht. Mandela hat sein zweites Studium („Law“) übrigens auch an der UNSIA beendet, damals noch im Gefängnis (1989). Nach meinem Studium habe ich weiter für die UNISA gearbeitet und bin seit 2013 Professor Extraordinarius im Fachbereich Missionswissenschaften. Ich habe also immer noch enge Verbindungen zum Land und den Menschen und bin jedes Jahr mindestens einmal vor Ort. Und natürlich haben mich meine schwarzen Kolleginnen und Kollegen mitgenommen und die historischen Plätze gezeigt, vor allem das „Mandela House“, das Apartheit Museum, aber auch viele persönliche Orte ihrer eigenen Geschichte, bei denen sie im Gefolge von Mandela und dem ANC gegen die Apartheit Widerstand geleistet haben. Manche haben dabei Freunde verloren, manche ihr Haus, oder ihr Land. Diese Geschichten gehen schon unter die Haut, die vergesse ich nicht. Was mich am meisten beeindruckt ist, wieviel Bereitschaft zur Versöhnung bei vielen meiner Freunde ist, das finde ich tief beeindruckend.

Die Bedeutung von Mandela für Südafrika?

Man kann die Rolle von Nelson Mandela in Südafrika gar nicht hoch genug einschätzen. Nicht nur, weil er der erste schwarze Präsident wurde, sondern weil er es geschafft hat, dass die Apartheit friedlich beendet wurde. Er ist eine absolute Autorität und so lange er lebte war er wie ein „Kit“, der die verschiedenen Gruppen Südafrikas zusammengehalten hat. Man hat in den letzten Jahren unter Präsident Zuma gesehen, wie schnell man ein Land auch runterwirtschaften kann. Aber, und das muss auch gesagt werden, Südafrika geht gerade einen schweren Weg, denn die Wunden der Apartheit sind immer noch nicht verheilt. Nach dem Thema Versöhnung (durch die von Mandela eingesetzte Wahrheits- und Versöhnungskommission) geht es jetzt vor allem über das Thema Gerechtigkeit (z.B. die aktuelle Diskussion um den neuen Gesetzesvorschlag, der eine Enteignung von Farmern ohne deren Entschädigung vorsieht). Den langen Weg zur Freiheit, den Mandela proklamiert und angefangen hat zu gehen, ist noch lange nicht beendet. Doch seine Person ist ein politisches und moralisches Vorbild für Versöhnung und Frieden – nicht nur in Südafrika, sondern weltweit. Man darf nicht vergessen, dass Ronald Reagan ihn einst als „Terrorist“ bezeichnet hat und viele konservative Christen, auch in Deutschland, die Apartheit stützten und Mandela kritisch sahen. Das vergessen wir heute oftmals.

Mandela – auch Inspiration für mein Leben

Den unbändigen Willen die eigene innere Freiheit nicht zu verlieren; das ist sehr beeindruckend. Mandela saß von 1963 bis 1990, also insgesamt 27 Jahre als politischer Gefangener in Robben Island, in der berühmten „Zelle 9“. Das sind wenige Quadratmeter, jahrelange Isolationshaft und doch keine Spur von Bitterkeit oder innerer Gebrochenheit. Das beeindruckt mich sehr und ich empfehle jedem nur seine Autobiografie „The Long Walk to Freedom“ (deutsch: „Der lange Weg zur Freiheit“), die Mandela heimlich im Gefängnis geschrieben und zettelweise im kleinen Blumenbeet im Gefängnishof vergraben hat. Gerade in unserer Zeit, in der wir uns von den gesellschaftlichen Themen so schnell beeinflussen und verunsichern lassen, ist diese innere Standfestigkeit und Überzeugung Mandelas für mich ein großes Vorbild. Diese innere Freiheit hat er dann mit ganz Südafrika geteilt und für politische Freiheit und seinen Traum der „Regenbogengesellschaft“ gekämpft, in der alle Menschen einen regulären Platz haben soll(t)en.

Letztes Jahr war ich dann einmal mit meiner Familie in Südafrika und wir gingen zusammen ins Apartheid Museum. Meine Hoffnung war und ist, dass auf den Spuren von Mandela auch meine Kinder (von ihm) inspiriert werden…

 

Ein Teil dieses Textes gehört zu einem Interview zu einem Interview zu Nelson Mandela:

 

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